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spiritual Freude
Der Weg des Herzens

Meditationskurse & Einkehrtage
Assisi, Italien

mit Bruce & Ruth Davis


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Assisi – Tagebuch
persönliches Tagebuch aus dem neuntägigen Retreat
„Der Weg des Mystikers“
in Rieti und Assisi, Oktober 2003

1. Tag

Aus Amerika und verschiedenen Teilen der Welt angekommen treffen wir uns in einem Kloster aus dem 18.Jahrhundert auf einem Hügel oberhalb der Stadt Rieti in Italien. Es ist Oktober, warm, die Trauben sind reif.

Wir beginnen unsere Einkehrtage, indem wir eingeladen werden, zu üben, jetzt hier zu sein. Neun Tage lang können wir jetzt ganz und gar anwesend sein, wieder und wieder in diesem Augenblick unser Herz fühlen.

 

In einer alten Kapelle bilden wir einen kleinen Kreis. In der Mitte wird ein Altar errichtet: Blumen, Kerzen, alle Religionen sind willkommen. Eine Grille singt uns in der Stille etwas vor.

Nach einer Weile ist das Grillengezirpe eher Lärm als Lied. Ich frage mich, wie etwas so Kleines mich derartig stören kann! Ich ertappe mich dabei, wie ich mit der Grille streite, anstatt in der Stille meines Herzens zu sein.

Meine innere Einkehr hat begonnen.


Tag 2

Nächtliche Blitze und gewaltige Donnerschläge machen unser Kloster schön und geheimnisvoll. Die meisten von uns sind allein in ihren Einzelzimmern. Abgesehen von ein paar Mönchen hat unsere Gruppe das ganze Kloster für sich.

 

Nach dem Frühstück sitzen wir in unserer alten Kapelle und lauschen dem morgend- lichen Regen. Wenige Worte, ein besonderer Frieden hüllt uns ein, schützt uns. In der Mitte unseres Kreises stehen Brot und Wein. Der heilige Franziskus und seine Brüder teilten solche Augenblicke miteinander … Regen und ein kleines Stück Brot. Nach und nach spüren wir unsere innere Gemeinschaft.

Die reine Gegenwart des Klosters, unsere Gruppe, unsere Herzen - und wir sehen allmählich das Brot als etwas mehr. Nach und nach berührt uns die Stille. Wir sehen anders, hören anders, schmecken anders. Mein Herz ist weicher, und meine Sinne erleben mehr. Wir brechen das Brot…trinken den Wein. In einer so kleinen Handlung liegt so viel.

Nachmittag, und die Sonne ist herausgekommen. Wir brechen nach Greccio auf, einem weiteren Berg, etwa 20 Minuten entfernt. Hier bereitete sich Franziskus auf Weihnachten vor und hatte die Idee, einen Esel zu besorgen, ein paar Schafe, ein bisschen Heu.

Hier pflegte er zu sitzen und mit Maria auf das Neugeborene zu warten. Mehrere Dorfbewohner und Brüder waren anwesend, als ein Baby erschien. Franziskus, vor Freude weinend, ging hin und hielt das neugeborene Kind in den Armen. Eines Abends vor 800 Jahren schuf Franziskus das erste Krippenspiel. Hier, auf diesem abgelegenen Felsenhügel ist das alles so real! Ich kann den einfachen Frieden spüren. Ein Neubeginn? Ich gebe mein Herz voll in diese Möglichkeit.

Jeden Abend sitzen wir als Gruppe und hören zu. Wer möchte, teilt ein wenig von seiner inneren Reise mit. Ich bin erstaunt, wie schnell die normale Welt verschwunden ist und wir in unsere inneren Welten sinken. Wir sind unterschiedlichen Alters, kommen aus verschiedenen Ländern, und doch sind wir in unserer Sehnsucht und unseren Schwie- rigkeiten so ähnlich.

„Es gibt kein richtiges oder falsches Retreat“, sagt uns Bruce. Die Einfachheit, die reine Natur, der Geist von Franziskus hat alle berührt und herausgefordert. Wir sind alle in die Welt unserer persönlichen Suche eingetreten. Es hat mir gefehlt, mehr in meinem Inne- ren, in meiner eigenen Einsamkeit und meinem stillen Sein zu leben.


Tag 3

Wir unternehmen einen weiteren Ausflug zu einem wundervollen Berg. Nur Schafe und der Gesang vieler Vögel grüßen uns hier. Hier lebte Franziskus und erholte sich von einer seiner vielen Krankheiten. Das kleine Kloster ehrt das schlichte Leben, das Franziskus liebte.

 

Wir hören die Geschichte, wie Franziskus um etwas Wein bat und die Auskunft erhielt, es sei nur Wasser da. Als aber das Wasser an sein Bett kam, war es auf wundersame Weise zu Wein geworden. Hier scheint das normale Leben zu Wein zu werden.

Ich mag die Geschichte, weil sie nicht von dem leidenden Franziskus handelt, der immer mit weniger lebte. Diese Geschichte handelt vom himmlischen Franziskus, der mehr erschuf! Wir sitzen an dem Bett, in dem der Kranke lag.

Wir rösten Kastanien von demselben Baum, von dem Franziskus vor langer Zeit Kastanien sammelte. Hier hat die Natur ihre natürliche Stimme und Schönheit. Eine Frau in unserer Gruppe, die Pilgerreisen an Orte überall auf der Welt unternommen hat, sagt, sie fühle hier mehr heilende Gegenwart als irgendwo sonst. Das finde ich auch.

Der Tag ist fast heiß und so erfüllt von vollkommenen Augenblicken. Ich hoffe, mein Retreat geht nie zuende!


Tag 4

Wir besuchen den Berg der für Franziskus der Berg Sinai war. Die Brüder wollten eine Regel, nach der sie leben könnten. Franziskus fand das verrückt! „Wir können Gott nicht organisieren. Haltet euch an nichts fest und lasst Gott euer Ein und Alles sein. "

 

 

Ich kann mir so richtig vorstellen, wie Franziskus zu den Brüdern sprach. Sie wollten eine Regel. Wollen wir das nicht alle? Wir verbrachten den Morgen an demselben Berghang, an dem Franzis- kus 40 Tage und Nächte betete. Gibt es eine Regel, der man folgen soll? Ich horche sanft…“Finde den Frieden dieses Augenblicks und teile ihn“. Ja, meine Regel! Aber es ist nicht immer so leicht, den Frieden dieses Augenblicks zu finden und zu teilen.

Am Nachmittag gehen wir auf einen weiteren Gipfel, in eine weitere Höhle. Franziskus fühlte, wie menschlich er war. Wir urteilen manchmal so schnell, kritisieren so leicht.

Franziskus wollte wissen, ob ihm wirklich ver- geben war. Ein paar Leute bleiben in dem kleinen Kloster und meditieren. Die anderen klettern eine halbe Stunde über das kleine Tal hinauf. Hier, so wird berichtet, begegnete Franziskus einer Schar von Engeln. Ihre Schönheit und Rein- heit berührten ihn so tief, dass er wusste, dass die Göttlichen Gefielde eine andere Welt waren.

Es gibt keine Wettbewerb, nichts zu erobern.. Wir haben keine Wahl, als die, einfach Mensch zu sein und zu hoffen, einen Blick auf das Göttliche zu erhaschen. Franziskus bot seine Mensch- lichkeit an… Er war der menschliche Heilige. Ich liebe ihn dafür.

Auf dem Hinunterweg begegnen wir dem lächelnden Franziskanerbruder. Er ist vor kurzem aus der algerischen Wüste zurück- gekehrt und seine Augen leuchten. Er erzählt uns, welche Freude und große Angst er in der Wüste erfahren hat. Seine sanfte Worte von der endlosen Wüste berühren uns. Ich frage mich, was ich mit so viel Wüste in mir machen soll?

Vor dem Schlafengehen sitze ich, fühle mein Herz und die Gegenwart im Kloster. Ich denke an meine Regel. Finde den Frieden dieses Augenblicks und teile ihn.


Tag 5

Zum Ende unserer Reise auf die Berge fahren wir in die kleine italienische Hügel- stadt Assisi, die Heimat von Franziskus und Klara.

Nach vielen Tagen in abgelegenen Klöstern und stiller Natur fühlt sich Assisi an wie eine Großstadt. Unsere Mahlzeiten in klösterlicher Stille finden jetzt in einem Speisesaal für Touristen statt. (Das Essen ist allerdings unglaublich!)

 

Wir sind alle herausgefordert, tiefer in unser inneres Sein zu gehen. Franziskus erinnerte die Brüder immer wieder: „Allein in der Natur ist es leicht, euren Frieden zu haben. Findet euren Frieden auf dem Marktplatz und ihr seid frei.“ Wir sind dankbar, in das Retreat Center zu kommen. Dieser uralte, erst vor kurzem renovierte Raum hat Mauern aus dem 11. Jahrhundert und eine Krypta aus römischen Ruinen aus dem 4. Jahrhundert.

Das Zentrum ist der einzige Raum in Assisi, wo es Altäre für alle Religionen der Welt gibt. Hier herrscht reiner Geist, reiner Frieden. Hier ist für den Rest des Retreats unser Treffpunkt, unser Heim. Welche Freude!

Am Nachmittag besuchen wir den Tempel der Minerva. Einst eine vorchristliche Kirche für die Göttin Minerva ist er heute im Zentrum von Assisi eine Marienkirche. In einem Seitenraum sitzen wir in tiefer Stille.

Der Frieden fühlt sich so alt und majestätisch an wie die Römischen Säulen, die die Steinkirche tragen. Wir werden steinerne Alleen und Straßen hinauf- und wieder hinuntergeführt.Überall in Assisi ist Franziskus zu spüren.



Tag 6

Wir besuchen das kleine Haus, wo Franziskus geboren wurde.In solcher Einfachheit beginnen große Dinge. Danach besuchen wir das Kreuz, das zu Franziskus sprach. Es ist ein Kreuz der Auferstehung, des Lebens. Kein Wunder, dass Tausende von Pilgern kommen und zu Füßen dieses Kreuzes sitzen.

 

An diesem Nachmittag unter einem herrlichen Oktoberhimmel gehen wir durch die Oliven- haine zu Klaras Kloster und dem Garten von San Damiano hinunter. Ich spüre Klaras Kraft. Sie fand Gott in ihrer Armut wie die ersten Christen Christus in der Wüste fanden.

Für Franziskus und Klara war die Armut kein Weg des Leidens, sondern ein Weg, Freude zu finden, vollkommene Freude in was auch immer das Leben bietet. Armut zeigt das Mysterium der Fülle in der Leere des Lebens.

Sie entdeckten Frau Armut, die kleinen Blumen des Lebens. Heute sind die Gärten in und um San Damiano von dieser vollkommenen Gegenwart erfüllt.


Tag 7

Wir besuchen die kleine Kirche, wo Franziskus und die Brüder beteten. Sie heißt Maria und die Engel. Sie ist reine Süße.

Man kann sich leicht vorstellen, wie die Brüder nebenan in ihren kleinen Hütten lebten und ihre Gebetsstunden hier mit Maria und ihren Engeln verbrachten. Die Einfachheit hier in Assisi ist es, die uns wieder und wieder berührt.

An diesem Nachmittag unternehmen wir einen meditativen Spaziergang über den Hügel von Assisi und spähen in Gärten und kleine Gassen hinein. Die Ausblicke über das unter uns liegende sonnenbeschienene Tal macht unsere Herzen weit. Wo endet unsere Menschlichkeit und wo beginnt unsere Göttlichkeit? An Tagen wie diesem ist es so göttlich, Mensch zu sein!

 

 

Monestary Steps
Spät am Nachmittag als wir im Center sitzen, kommt eine Gruppe von zwölf tibetischen Mönchen in ihren roten Roben. Sie sitzen vor dem großen goldenen Buddha, chanten und beten für den Weltfrieden. Noch lange nachdem sie gegangen sind, ist der Raum von ihrer Gegenwart und ihren tiefen Stimmen erfüllt.

Tag 8

Unser letzter Tag… Langsam gehen wir durch kleine Straßen hinunter zur Basilika des Heiligen Franziskus. Wir sitzen an seinem Grab und Hunderte von Menschen gehen vorbei.

Ich schließe die Augen und plötzlich bin ich ein Ozean der Gegenwart. Der Frieden hat keinen Anfang und kein Ende…nur Frieden. Das ist meine innere Einkehr, im einfachen Frieden des Heiligen Franziskus zu sitzen.

Am Nachmittag besuchen wir unseren letzten Berggipfel, die Einsiedelei von Franziskus auf dem Monte Subasio. Wieder sind so viele Menschen da, aber am Ende des Pfades finden wir eine kleine Kapelle im Freien.

Über fünfzig Menschen sitzen da wohl in vollkommener Stille, sitzen einfach nur in der Vollkommenheit des Augenblicks, der Natur. Selbst die Touristen sind still. Wer sagt, dass es keine Wunder gibt?

 

Monestary on Hillside

Tag 9

Wir haben unseren letzten gemeinsamen Morgen im Center. Ich könnte stundenlang einfach in diesem uralten Raum sitzen und die Steine ansehen und fühlen.

Unser Retreat war geborgen, geschützt, gesegnet. Jeder von uns ist zutiefst dankbar. Wir teilen ein letztes Mal ganz einfach Brot und Wein. Unsere Tage der Einkehr gehen zuende, aber etwas fängt auch gerade erst an…





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